Schröpfen - Unterdruck in der Veterinärphysiotherapie

Aktualisiert: 2. Apr.


Vakuum am tierischen Patienten?

Die Gewebebehandlung mit Unterdruck wird im Humanbereich seit mehreren tausend Jahren eingesetzt, ist im Veterinärbereich aber noch relativ neu – und bietet doch umfassende Möglichkeiten, physiotherapeutische Heilreize auf den Körper zu setzen.


Bisher wurde die Schröpftherapie hauptsächlich aus Gesichtspunkten der Traditionellen Chinesischen Medizin eingesetzt, mit dem neu entwickelten Verständnis von myofaszialen Problemkomplexen wurde aber auch die Behandlung mit Unterdruck neu interpretiert und adaptiert. So bietet uns das Schröpfen auch in der Veterinärphysiotherapie neue Möglichkeiten, vor allem am Bewegungsapparat.


Wie funktioniert das mit dem Unterdruck?

Im Humanbereich werden beim Schröpfen verschiedene Varianten eingesetzt, um den Unterdruck zu erzeugen. Ballongläser, Silikoncups oder erhitzte Gläser werden eingesetzt, viele davon eignen sich jedoch nicht für den tierischen Patienten und Fell. Neue technische Möglichkeiten haben sich mit elektrischen Geräten für die Veterinärmedizin ergeben, da bei haarloser Haut das einmalige Erzeugen eines Unterdrucks ausreicht, bei Fell das Vakuum aber ohne genügend Abdichtung sofort entweicht. Durch Schröpfgeräte kann der Unterdruck im angeschlossenen Glas dauerhaft erneuert werden.



Wie und wozu setze ich die Schröpftherapie bei meinen Patienten ein?


Das Schröpfen kann ich im Rahmen der osteopathischen Behandlung einsetzen, um den Erfolg beim Lösen von Faszien und Muskulatur nachhaltig stark zu steigern. Aber auch als Einzelanwendung nutze ich die Schröpftherapie gern, um den gesamten Körper abzugehen und durch die Intensität der Anwendung auch weitreichende Wirkungen ins Pferdeinnere zu erzielen. So können auch Organe und tief liegende Muskulatur stark beeinflusst werden, an die man sonst manuell eher schlecht kommt.


Worin liegt der Unterschied zu einer herkömmlichen Massage?


Bei einer Massage werden verspannte Muskelfasern durch verschiedenste Grifftechniken gelöst. Alle Techniken haben dabei gemein, dass mit einem Druck von außen auf das Gewebe eingewirkt wird. Sicher hat jeder schon einmal eine manuelle Therapie in der Physiotherapie erlebt und weiß, dass dies gerade bei starken Verspannungen unangenehm werden kann. Natürlich muss man damit bei den Pferden immer vorsichtig heran gehen und darf dem Patienten dabei niemals Schmerzen zufügen, denn die Tiere können ja nicht ahnen, dass es zwar jetzt kurz schmerzt, morgen aber deutlich besser ist.

Bei der Schröpftherapie wirken hingegen vorrangig Zugreize auf das Gewebe. Unter dem aufgesetzten Glaskörper wird das Gewebe durch Unterdruck angesaugt und damit stark lokal aufgedehnt. Damit lösen sich verspannte Muskelfasern deutlich schneller als mit herkömmlichen Massagegriffen. Verklebte Faszien werden zudem einfach angehoben und problemlos voneinander gelöst.


Die Nachwirkungen wie erhöhter Lymphfluss, Durchblutung und Stoffwechsel sind beim Schröpfen dabei ähnlich wie bei der manuellen Massage. Durch das erzeugte starke Vakuum passieren diese Prozesse jedoch deutlich schneller und in größerem Umfang.




Wo kann das Schröpfen helfen?

Das Schröpfen ist aufgrund des Pferdekörpers nicht überall möglich. Im Bereich der Gliedmaßen wird es zunehmend schwerer, Unterdruck zu erlangen, je tiefer man geht. Bei aufgehobenen Beinen entspannen sich jedoch die Sehnen und Fesselträger und können somit behandelt werden. Auch im Kopfbereich gibt es durch knöcherne Strukturen und feine Nervenbahnen Einschränkungen. Hier muss sehr vorsichtig gearbeitet werden, an der seitlichen Kaumuskulatur, welche häufig bei Reitpferden unter starken Verspannungen leidet, sind die Pferde für die Schröpfentspannung jedoch sehr dankbar. An den flächigen Strukturen des restlichen Körpers ist das Schröpfen kein Problem, auch bei längerem Winterfell kann die Therapie durchgeführt werden.


Indikationen und Ziele

  • Lösen von Muskelverspannungen

  • Lösen von Faszienrestriktionen

  • Anregen von alten Hämatomen und Ödemen, Phlegmone

  • Lösen von Muskulatur und Schmerzhemmung bei Kissing Spines, Spondylosen

  • Durchblutungsförderung und Schmerzhemmung bei Arthrosen

  • Schmerzhemmende Unterstützung bei HD, ED

  • Anregung bei chronischen Stoffwechselstörungen

  • Mobilisieren von festem Narbengewebe

  • Alte oder schlecht verheilte Sehnenverletzungen

  • Wiederherstellung von Gewebeelastizität nach Operationen


Risiko und Nebenwirkungen der Schröpftherapie

Durch das Schröpfen wird das behandelte Gewebe sehr aufgewühlt und angeregt. Bei langer lokaler Anwendung kann es zudem zu Einblutungen im Gewebe kommen, die grundsätzlich beim Schröpfen erwünscht sind, da Sie die Wirkungen in dem Gebiet maximieren.

  • Deshalb kann es sein, dass die Pferde in den folgenden ein bis zwei Tagen an den geschröpften Stellen etwas berührungsempfindlich sind. Daher sollte man die Tiere nicht weiter beanspruchen und einfach mal auf das Putzen oder auf Ausrüstung in diesen Bereichen verzichten.

  • Einige Pferde sind nach der Behandlung deutlich erschöpft. Gerade Tiere mit starken Verspannungen und Faszienverklebungen ruhen oft am Behandlungstag und am darauffolgenden Tag mehr als gewöhnlich.

  • Bei Pferden mit sehr empfindlicher Haut, häufig Füchsen oder Schimmeln, kommt es zudem selten zur Bildung von kleinen Pusteln unter der Haut, welche durch die übermäßigen Prozesse im Gewebe entstehen. Diese bilden sich in der Regel nach wenigen Stunden oder einem Tag wieder zurück, wenn sich die Haut beruhigt.


Kontraindikationen

  • Akute entzündliche Erkrankungen

  • Akute Sehnen- und Bandverletzungen

  • Akute Bandscheibenvorfälle

  • Allgemein schlechter Zustand (Fieber, Apathie)

  • Tumorerkrankungen

  • Trächtigkeit