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Die Richtige Spannung

Aktualisiert: Apr 10

Ein Thema, was häufig gar nicht angesprochen und berücksichtigt wird. Es geht immer um Übungen, um die Korrekte Längsbiegung, die Korrekte Aufrichtung und Co. Fokussieren wir also einmal das Thema Spannung, um zu verstehen, wie wichtig es für das Training ist, die korrekte Spannung im Pferd zu finden.

Wir alle wollen ein entspanntes Pferd während des Training - doch gibt es ein ZU ENTSPANNT? Auf jeden Fall. Fehlt im Training eine positive Spannung ist kein Muskelaufbau möglich. Richtig. Ist der Muskeltonus zu niedrig, fehlt dem Pferd die Federkraft, die es benötigt um energieeffizient zu laufen. Das Pferd überlastet Sehnen und Gelenke, die Wirbelsäule fungiert als „Wäscheleine“ an der alles hängt und nach unten durchsackt.


Ebenso bei zu viel Spannung - die elastische Federkraft geht ebenfalls verloren und die Oberlinie gerät unter Spannung. Die Gelenke haben nur ein eingeschränktes Bewegungsausmaß und verschleißen. Zu viel Spannung erhöht Stress im Pferd.


Nur in der positiven Spannung kann das Pferd korrekt arbeiten und seine „Sprungfedern“ nutzen um alle Gelenke und Co vollumfänglich zu nutzen.



Doch wie lässt sich der Unterschied feststellen? Ein Pferd ist nicht immer grundsätzlich in einem Spannungszustand, oft variieren die verschiedenen Spannungszustände auch innerhalb der Trainingseinheit. Es ist wichtig, Gefühl dafür zu entwickeln, wann welcher Spannungszustand vorliegt, um zu erkennen, ob das Training gerade "ankommt" da wo es soll, oder nicht.


Eine positive Spannung kann häufig dadurch erzeugt werden, dass das Pferd ständig bereit ist, Richtung und Tempo zu ändern. Arbeitet man mental entspannt in Tempo- und Tempiwechseln kombiniert mit Richtungswechseln kann man häufig sehr schnell positive Spannung erzeugen!



Setzt die positive Spannung eine bestimmte Haltung voraus?


Nein. Für eine durchlässige Dehnungshaltung benötigt es genauso eine positive Spannung, ebenfalls im Gelände, Parcour oder versammelnden Lektionen. Die positive Spannung sorgt dafür, dass die Hilfen des Reiters oder Trainers am Boden leicht und durchlässig angenommen werden können, denn der Körper rollt nicht träge in eine Richtung, sondern kann leichtfüßig Richtung, Tempo und Gangart nach belieben verändern.


Spannungslösende Beispielübungen:

  • generell ruhiges und gleichmäßiges Tempo

  • längere Reprisen in einer Gangart

  • Tempo- und Tempiwechsel in niedrigere Gangarten oder leicht untertouriges Tempo

  • kleine Tempowechsel (Wechsel innerhalb zwei Gangarten z.B. Trab - Schritt - Übergänge)

  • große Hufschlagfiguren

  • häufiges Zügel-aus-der-Hand-kauen

  • viele Schrittreprisen am längeren Zügel zwischen den Übungen

  • durchparieren bis hin zum Schritt

  • Standpausen in denen das Pferd am längeren Zügel abkauen kann


Spannungserhöhende Beispielübungen:

  • Die Schaukel - der Gedachte Wechsel zwischen Rückwärtsrichten und Antreten im oberen Körper ohne die Beine mitzusetzen

  • schnelle Tempi- und Tempowechsel

  • große Tempowechsel (Wechsel innerhalb mehrerer Gangarten z.B. Halten - Traben - Übergänge)

  • Antraben oder Angaloppieren aus dem Rückwärtsrichten

  • schnelle Richtungswechsel (z.B. Trabkehrtvolte verkehrtherum reiten und zur Bande hin zügig angaloppieren)

  • Wechsel bei Seitengängen (z.B. aus dem Schenkelweichen nach links Wechsel in das Schenkelweichen nach rechts)


Allerdings werden alle Übungen von den Pferden je nach Ausbildungs- und Leistungszustand individuell angenommen. Daher muss der Reiter als Trainer jederzeit evaluieren, ob er mit seiner Übung die richtige Reaktion im Pferd auslöst. Reiter denen es noch schwer fällt, dieses Gefühl für ihr Pferd zu entwickeln, sollten sich unbedingt ein zweites Paar Augen vom Boden aus dazu nehmen.

Die positive Spannung ist übrigens ein kleiner Themenausschnitt aus unserem 4. Teil "Versammlung" der Ausbildungsserie "Biomechanische Trainingslehre"



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