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Falscher Knick im Genick

Aktualisiert: Apr 15

Früher war der falsche Knick ein eindeutiges Zeichen für Ausbildungsfehler des Pferdes und Reiter. Heute sieht man fast nur noch Pferde, die sich beim Reiten oder an der Longe mit falschem Knick im Hals bewegen.

Was bedeutet der Falscher Knick? Die Anlehnung, die Beugung des Kopfes wird nicht in den Gelenken zwischen dem Hinterhauptbein und 1. Halswirbel, sondern um den 2. Halswirbel durchgeführt. Das Gelenk zwischen 1. und 2. Halswirbel sowie das Gelenk hinter dem 2. Halswirbel zum 3. Halswirbel wird dabei in maximale Beugung gebracht und der 2. Halswirbel steht als höchster Punkt nach oben hervor.



Folgen


Dies verändert die Biomechanik der Kopf-Hals-Bewegung während des Reitens und überdehnt Muskulatur und Nackenband über dem 2. Halswirbel. Auch der Schleimbeutel (grau, 4. Bild) wird übermäßig gereizt, was zu dauerhaften Entzündungen und zu jahrelangen Anlehnungsproblemen wie Kopfschlagen führen kann. Auch das Gelenk zwischen 1. und 2. HW (welches nicht für starke Beugung ausgelegt ist) wird stark überlastet und verschleißt.

Ursachen

  • übermäßige Handeinwirkung - die maximale Beugung zwischen Genick und 1. HW ist erreicht - der 2. HW muss kompensieren

  • Der Brustkorb und untere HWS hängen nach unten durch, das Genick müsste als Fortsetzung eigentlich in Streckung verbleiben, das Pferd folgt jedoch der Reiterhand und kompensiert am 2. HW

  • zu hohe Spannung der Streckerkette der Oberlinie (Rückenmuskeln, obere Halsmuskeln) - der 2. HW wird als „Umlenkrolle“ zur Zugentlastung des Genicks umfunktioniert



Oft sieht man schon bei jungen Pferden, die heutzutage schon durch die Zucht ein großes Bewegungsvermögen mitbringen, dass diese vorn "gebremst" werden und man so versucht die Bewegung zu händeln. Leider haben diese Pferde nicht die Möglichkeit, die Bewegung von hinten nach vorn zu entwickeln, unter dem Reiter ein normales Bewegungsmuster zu entwickeln, aus dem der Reiter geschmeidig die angebotene Anlehnung des Pferdes aufnehmen können.


Dasselbe passiert durch Hilfszügel (Ausbinder, Dreieckszügel, Longierhilfe) oder auch Schlaufzügel. Der Hals ist die Verlängerung des Rückens, er ist Maßstab dafür wie sich der Rest des Rückens bewegt. Ist der Hals nach oben gestreckt, so ist meist das Problem weiter hinten zu suchen. Zwingt man den Hals in eine Position durch Hilfszügel, kaschiert man das Problem, und korrigiert die Ursache nicht wirklich. Die Folge: das Pferd muss Kompensationsmechanismen entwickeln, wie es sich trotz der Bewegungseinschränkung (Hilfszügel) mit dem Problem (z.B. Rücken/Becken) möglichst angenehm fortbewegen kann. Der Falsche Knick entsteht.


Die korrekte Bewegung von hinten nach vorn —> Durchschwung von Becken, Wirbelsäule nach vorn oben ins Genick ist nicht möglich - es entstehen nach hinten ausgerichtete Bewegungsmuster, Hals, Übergang Halswirbelsäule-Brustwirbelsäule und Brustkorb werden zusammengestaucht und nach unten geschoben.



Biomechanischer Hintergrund


  1. Der Übergang zwischen 1. (Atlas) und 2. Halswirbel (Axis) ist vom möglichen Bewegungsausschlag weniger für Beugung und Streckung gedacht als der Übergang zwischen Hinterhauptbein und Atlas geeignet. Grund ist ein Fortsatz nach vorn am 2. Halswirbel (Dens Axis - "Zahn" des Axis), welcher die Bewegung in Beugung und Streckung begrenzt.

  2. Das Gelenk zwischen Atlas und Axis ist vor allem für Rotationsbewegungen ausgelegt. Also Drehungen des 1. Halswirbels um den Dens Axis. Das sind die typischen "Verwerfungen" im Genick - welche besonders häufig bei einem falschen Knick vorkommen.

  3. Das Gelenk zwischen Hinterhauptbein und Atlas ist das eigentliche Gelenk für Beugung und Streckung (Ja-Sager Gelenk) und damit die Anlehnung. Zusätzlich ist hier eine größere Längsbiegung möglich - die Stellung im Genick. Geht diese Bewegung in den 2. Halswirbel über, bei einem falschen Knick, kommt es zum Verwerfen, da der Dens Axis auch hier wieder wenig Längsbiegung zulässt.




Korrektur


Diese Haltung ist sehr schwer zu korrigieren - zunächst muss fast die gesamte Zügeleinwirkung herausgenommen werden (vor allem Hilfszügel, Schlaufzügel!), dann muss intensiv am Heben des Brustkorbes durch den Rumpftrageapparat gearbeitet werden. Lest doch dazu meinen Beitrag zum Rumpftragemuskel!



Trotz Dehnungshaltung entsteht kein falscher Knick, da die Haltung genug nach vorn in die Streckung entwickelt wird

Die Streckung und Aufrichtung bis zum Genick ist gut zu erkennen




© 2019 Pferdetherapie Diana Landskron

Blumenstr. 17, 02826 Görlitz, Deutschland

Tel: + 49 162 7804801

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