Organprobleme und neurologische Irritationen

Aktualisiert: 29. März

Neurologische Irritiationen der Haut und verspannte Muskulatur, die sich in Überempfindlichkeit und Zucken äußern, können neben Reitausbildung oder Ausrüstung noch ganz andere Ursachen haben. Auch innere Veränderungen und Erkrankungen der Organe können Probleme an der Oberfläche und am Bewegungsapparat verursachen, werden aber oft mit dem Charakter des Pferdes oder "Kitzligkeit" entschuldigt. Doch was kann dahinter stecken?


Die Nerven, die auch die Haut versorgen, treten aus den Zwischenwirbelräumen aus dem Rückenmark (das kannst du dir im Blogbeitrag zur Wirbelsäule anschauen) und müssen Muskulatur und Faszien durchtreten. Zusätzlich gibt es eine direkte Verbindung und zweispurige Autobahn zwischen Organen - Muskeln - Haut - Rückenmark. Folglich sind der Zustand und Spannung in diesen Arealen für die neurologische Reizweiterleitung essentiell. Gibt es über einen Zeitraum Kompression, Überlastung oder Veränderungen in einem der Bereiche, können die Nerven in den oberflächlichen Arealen in der Wahrnehmung gestört werden.


 

Ein typisches Beispiel für eine gestörte Wahrnehmung sind Hautempfindlichkeiten. Z.B. Zittern und Zucken am Widerrist, Empfindlichkeiten am Bauch oder: mein Pferd lässt sich nicht am Ohr anfassen!


All diese Sachen lassen sich auf Verspannungen der Muskulatur, Faszienverklebungen, aber auch Organprobleme mit einhergehenden Nervenläsionen/ Nervenirritationen zurückführen. Die Pferde sind nicht, wie die gängige Meinung sagt „kitzlig“ oder eben nur "stutig".


 

Organe als Ursache


Die Zusammenhänge zwischen Organ - Muskulatur - Haut - und Wirbel sind allgegenwärtig. Schon aus dem Humanbereich ist bekannt, dass es für Rückenschmerzen und Verspannungen oft eine unterliegende Organproblematik als Ursache gibt, die behoben werden muss, wenn man die Probleme dauerhaft in den Griff bekommen möchte. Genau so ist das auch bei Pferden.


Bei Stuten lassen sich oft muskuläre Probleme im Lenden-Becken-Bereich feststellen, die Stute ist "zickig" an der Hinterhand oder am Bauch und Euter. Auch die Beweglichkeit ist dann gern einmal steif: mangelnde Längsbiegung oder Raumgriff der Hinterhand. Interessant ist, dass bei diesen Stuten sehr häufig Erkrankungen oder Veränderungen im Bereich der Gebärmutter oder Eierstöcken festgestellt werden können. Zysten, Tumore oder Ähnliches können diese gestörte Reizweiterleitung an das Rückenmark verursachen. Das Rückenmark meldet jedoch auch an zugehörige Hautareale und verursacht gestörte Wahrnehmungen wie Überempfindlichkeit.


Aber auch der Darmtrakt kann Veränderungen auslösen. Magengeschwüre, Wurmbefall, schlechte Fütterung oder Stress lösen nicht nur eine Störung im Organ selbst aus, sondern verändern auch die Reizweiterleitung an das Rückenmark, denn das Organ möchte dem Gehirn ständig "Alarm" mitteilen. Das Rückenmark in der Wirbelsäule meldet wiederum Alarm an zugehörige Hautareale, sogenannte Headsche Zonen oder Dermatome. Dadurch kann z.B. ein sehr nahes Muskelareal, in dem das Organ liegt (zum Beispiel Lendenmuskulatur rechts für den Blinddarm, Gurtlage für den Magen) aber auch ein fernes Areal über Nerven gestört werden.


Wessen Pferd also irgendwo empfindlich, zickig oder gar aggressiv reagiert, sollte die Organgesundheit von Magen-Darm-Trakt aber auch vom Urogenitaltrakt mit dem Tierarzt und Therapeuten besprechen.


Für alle, die sich die Lage der Organe im Körper näher anschauen wollen:

Video: Videoausschnitt aus der Biosphera.org 3D Horse-Anatomy-Software

 

Muskulatur und Faszien an Ursache



Nicht nur Organe, sondern auch Faszien und Muskeln können Nerven irritieren. Denn genauso wie das Organ per Nerv mit dem Rückenmark und der Haut kommuniziert, tut das auch die Muskulatur. Häufig äußern sich Muskel- und Faszienverspannungen in empfindlicher Oberfläche. Aber auch Blockaden in den Wirbeln, welche durch verspannte Muskeln und Faszien verursacht sind, verändern die Reizweiterleitung im Nerv. Ganz typisch ist dafür das Hautzucken in der Oberlinie am Rücken, oder die Empfindlichkeit des Pferdes am Ohr und am Genick. Der Nerv kann sich nur beruhigen, wenn die Ursache (z.B. ein unpassender Sattel, schlecht sitzender und einwirkender Reiter, Überforderung oder schlechte Körperhaltung im Training, Schiefen in der Gliedmaßenbelastung) abgestellt wird.


Wessen Pferd irgendwo mit der Haut zuckt, und zittert, oder an der Oberlinie empfindlich und Abwehrend (z.B. Genick und Ohr) reagiert, sollte alle Ursachen durchgehen und mit einer guten Körperhaltung für Entspannung sorgen.



 

Wenn du mehr über eine gute Körperhaltung deines Pferdes und wie du diese erreichst lernen möchtest, dann schau doch mal bei unserer Videoserie "Biomechanische Trainingslehre" vorbei!